back
Frank O. Gehry

geb. 1929 in Toronto
Studium an der University of Southern California Los Angeles und der Harvard Graduate School of Design
1989 Pritzker-Preis
1992 Premium Imperiale
Büro in Los Angeles

Charakteristisch für Gehrys Baustil sind neben der Verwendung außergewöhnlicher Materialien abgewinkelte Ebenen, kippende Räume, umgekehrte Formen sowie eine gebrochene Geometrie; seine „dekonstruktivistischen“ Bauten sind insofern collagenhaft aufgebaut als sie auseinanderstrebende Bauelemente verknüpfen, die ein Ineinanderfließen der Räume realisieren.
Seit 1969 beschäftigt sich Gehry mit Möbeldesign, wobei er häufig Wellpappe benutzt, die er mit anderen Materialien kombiniert. Auch wenn diese Möbel einfach wirken, sind sie doch auf der Grundlage intensiver Materialanalysen exakt geplant und in ihrer Konstruktion auf das statisch Notwendige reduziert. Ihr subtiler Reiz besteht im absichtlich belassenen Rohzustand des Materials. Der Karton ist bearbeitet, aber nicht veredelt, was seine eigentliche ästhetische Qualität ausmacht. Beispiele sind der Pappsessel „Little Beaver“ (1989) für Vitra oder die Serie „Easy Edges“ (1971-72) für Cheru Enterprises. Vitra legte 1992 mehrere Modelle dieser Serie in einer Reedition neu auf: den „Side Chair“ aus 50 verleimten Kartonagen, den „Dining Table“ und das in drei Größen erhältliche, ineinander stapelbare „Low Table Set“.

Publicationo
listed on artfacts.net / wikipedia.org
Jürgen Goertz

geb. 1939 in Albrechtshagen / Posen
Studium an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1972 Villa-Massimo-Preis Rom
1973 Preis der Bundesrepublik Deutschland bei der XXI. Biennale Internationale Dell'Arte Florenz
2004 Verleihung des Titels Prof.h.c. durch den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg
lebt in Angelbachtal-Eichtersheim

Jürgen Goertz entwickelt eine bildhauerische Ikonographie, die ihre zeitgemäße Aktualität aus der Verschmelzung vermeintlich unvereinbarer Gegensätze bezieht. Das Mischungsverhältnis von eigener Formsprache und Versatzstücken verschiebt sich dabei mehr und mehr zugunsten des Anteils vorgefertigter Accessoires. Der perfekten, zielgerichteten, sachlichen Ästhetik des Industrieprodukts setzt Goertz die irrationale und unberechenbare Bildhauersprache in Form von groben Modellierstrukturen entgegen, wobei er unakademisch, undogmatisch, ja geradezu anarchisch mit Form, Inhalt, Stil und Material umgeht und so zu neuen Bildideen sowie relevanten Zeitaussagen gelangt. Sein Kunstengagement lebt nicht zuletzt von der befreienden Einsicht, dass eine Abstraktion der Abstraktion die neue Kunstrealität von morgen artikulieren kann - auch und gerade in der Jahrtausende überlebenden, sich stets häutenden gegenständlichen Ikonographie.

listed on artfacts.net / wikipedia.org

Thorsten Goldberg

geb. 1960 in Dinslaken
Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Lehraufträge an der Alice-Salomon Hochschule Berlin, Kunstakademie Münster, Akademie der Bildenden Künste München und Universität für Gestaltung Linz
Professor für Kunst und Medien an der Muthesius Kunsthochschule Kiel
lebt in Berlin

Thorsten Goldberg liefert mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kunst im öffentlichen Raum, deren klassische Verortung er durch den Entzug wesentlicher Determinanten zugunsten einer utopischen Dimension aufhebt. Ihm geht es um utopische Orte, zu denen man sich meist nur sehnen kann, vergleichbar mit jenen, die schon die seefahrenden Entdecker der frühen Neuzeit westwärts lockten. So erzählt auch seine Arbeit „54 ° 4 min“ von einer Reise zu sehnsuchtsbesetzten Orten unserer Zeit, zum Beispiel zu fernen Inseln, deren Namen so verheißungsvoll wie sie selbst unbekannt sind. Mit der konkreten wie gleichzeitig bewusst unvollständigen Ortsbestimmung eröffnet Goldberg das Spektrum seiner künstlerischen Reflexionen: vom historischen Schlaraffenland bis zum virtuellen Palmenstrand als Bildschirmschoner, von der Wegbeschreibung entlang des 54. Breitengrades über ferne Inseln bis hin zur strahlenden Wolke, der man in entlegene Paradiese folgen könnte.

Publication
listed on artfacts.net / wikipedia.org
Hubertus von der Goltz

geb. 1941 in Gross Bestendorf / Ostpreußen
Studium an der Hochschule der Künste Berlin, Meisterschüler
1987 Villa Romana, Florenz
1988/89 Gastprofessur an der Hochschule der Künste Berlin
lebt in Berlin und Potsdam

Das Thema von Hubertus von der Goltz ist der Einzelne und seine Balance zwischen Denken, Handeln und Sein. Für ihn ist es ein symbolischer Akt: Derjenige, der balanciert, muß sich auf sich selbst und seinen Weg konzentrieren. Seine Arbeiten wollen Vorgaben für den Betrachter sein, sich und seine eigene Befindlichkeit zu reflektieren. Wege, Übergänge und Brücken stehen dabei als Symbole für die vielfältigen Probleme, die der Mensch zu bewältigen hat. Der Künstler zeigt einen kleinen Abschnitt dieses endlosen Weges, einen metaphorischen Moment, der in seinem Charakter einem Energiestrahl vom Gestern ins Morgen gleicht. Die Figur hat ihre jeweils spezielle Umfeldbeziehung. Durch die Reflektion des Betrachters erhält sie Sinn und Bedeutung. Anfang und Ende dieses Balance-Aktes entziehen sich uns. Jeder Anfang ist auch ein Ende, jedes Ende wiederum ein Neubeginn. Die Wandbilder imaginieren ein unendliches Raumgerüst, das an jedem Ort seine eigene Bestimmung erhält. Die Kreuzwege sind für den Betrachter Standortbestimmungen und gleichermaßen eine Möglichkeit, den eigenen Weg zu ändern. Das Ungleichzeitige in der räumlichen Gleichzeitigkeit des Geschehens legiert sich zu einer neuen Wirklichkeitserfahrung.

listed on
artfacts.net / wikipedia.org
Inge Gutbrod

geb. 1963 in Nürnberg
Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Meisterschülerin bei Prof. Werner Knaupp
Mitglied im Deutschen Künstlerbund
lebt in Fürth

Inge Gutbrod denkt und arbeitet weniger in herkömmlichen Kategorien und Genres, vielmehr sind ihre Arbeiten wesentlich bestimmt durch ein Material: Wachs. Davon ausgehend erkundet sie in ihrer bildnerischen Praxis das Wechselspiel und die Grenzen des Durchsichtigen, Durchscheinenden und Undurchsichtigen, also von Transparenz, Transluzenz und Opazität. Des Weiteren haben viele von Gutbrods Arbeiten eine dezidiert architektonische Ausrichtung: Begehbare Strukturen aus stahlgerahmten rechteckigen Wachsblöcken oder das, was man „archi-skulpturale“ Formen nennen könnte. Zu eigentlicher architektonischer Ausprägung finden ihre Skulpturen in der Kombination von weißen Paraffinplatten mit Trägerkonstruktionen aus Eisen. Daraus fertigt die Künstlerin in Analogie zu Formen japanischer Papierarchitektur begehbare Wachsräume in den elementaren Formen von Tor, Turm und Zimmer. Diese architektonischen Skulpturen werden entweder im öffentlichen Raum, in Nachbarschaft zu öffentlichen Gebäuden, im geschützten Museumsraum oder im Innern einer Kirche platziert, wobei die Lichtdurchlässigkeit des Materials innerhalb der Wachsräume im Betrachter eine eigentümlich schwebende Raumerfahrung hervorruft.

listed on artfacts.net / wikipedia.org
Zaha Hadid

geb. 1950 in Bagdad
Studium an der American University Beirut und der Architectural Association School London
2004 Pritzker-Preis
2008 Premium Imperiale
Professuren u.a. an Harvard University, der University of Chicago und der Columbia University
Büro in London

Hadids Entwürfe, für die gestapelte kristalline Grundflächen unter Vermeidung des rechten Winkels und die Idee von Architektur als Weg kennzeichnend sind, galten zunächst als futuristisch und unbaubar. Sie kreiert damit eine neue Design- und Architektursprache, die ihr Potenzial aus dem Neuesten bezieht, was es an digitalen Designprozessen und Fertigungstechniken gibt. Mit der Gesamtkonzeption des Designs, das letztlich auf die durch signifikante Fortschritte der 3D-Designsoftware geschaffenen neuen Möglichkeiten zurückgeht, und dem Anspruch, die allerneuesten Techniken auszuprobieren und anzuwenden, stellt Hadids (Architektur-)Design einen Dialog von komplexen Kurvengeometrien und detaillierten ergonomischen Untersuchungen dar, der es ermöglicht, Gleichgewicht zwischen Objekt und Raum neu zu definieren. Bei der Architektursprache, die in Hadids Büro entwickelt wird, trifft Weich auf Scharf sowie eine Kombination von Konvex und Konkav und eine plastische Sensibilität, die unsere Selbstwahrnehmung als Körper beeinflusst.
Zaha Hadid ist stets auf der Suche nach einer visionären Ästhetik, die alle Bereiche, von der Stadtplanung bis zu Inneneinrichtungen und Möbeldesign, einschließt; seit 1988 entwirft sie daher auch Teppiche (für Vorwerk) und Möbel, so das „Wavy Back Sofa“ (1988 für Edra) und das futuristisch anmutende, dekonstruktivistische „Projection Sofa“ aus dem selben Jahr. Hadids „Z-Car“, ein emissionsfreies und kompaktes Stadtauto für vier Personen, stellt eine Annäherung an das Auto als Inbegriff individueller Mobilität dar. Zusätzlich zur organischen, an einen Wassertropfen erinnernden Gestaltung des Autos verwendet es einen Hybridantrieb aus Wasserstoff und Lithium-Ionen-Akkus. Die Gestalt des „Z-Car“ basiert auf einer optimierten Anpassung von Raum, Gewicht und Leistung; so sind etwa die Elektromotoren in die Räder integriert und auch der Innenraum zeichnet sich durch unkonventionelle Formen aus, die sich vor allem von ergonomischen Anforderungen ableiten.

Publicationo
listed on artfacts.net / wikipedia.org
HAWOLI

geb. 1935 in Bleckede / Elbe
Studium an den Folkwangschule Essen
lebt in Neuenkirchen

HAWOLIs Konzeption liegt das Thema Natur-Kultur zugrunde. Darin sind mit wechselnder Intensität Untersuchungen über Bewegung, Veränderung und Abhängigkeit eingeschlossen - als Auseinandersetzung zwischen dem Natürlichen und dem Artifiziellen, als Konfrontation zwischen der Erinnerung der gewachsenen Steine und der technischen Logik des Stahls, als kritische Balance der Extreme, als Metapher der Gefährdung des Gleichgewichts der Kräfte. Parallel und immer bezogen auf die bildhauerische Arbeit entstehen seit 1973 auch Fotoarbeiten, die sich in den letzten Jahren überwiegend auf den Prozess der Steingewinnung konzentrieren.

listed on artfacts.net / wikipedia.org
Jacques Herzog & Pierre de Meuron

geb. 1950 in Basel
Studium an der ETH Zürich
2001 Pritzker-Preis
2006 British Design Award
2007 Premium Imperiale
Professuren an der Harvard University und der ETH Zürich
Büros in Basel, London, München, Barcelona, San Francisco und Tokio

Herzog & de Meuron versuchen, ohne Voraussetzung an jedes ihrer Architekturprojekte heranzugehen. Dabei haben sie verschiedene Methoden entwickelt, die es ihnen ermöglichen, ohne regelmäßig wiederkehrende und somit wiedererkennbare Stilmerkmale auszukommen. Durch die Berücksichtigung von und Anpassung an Ort, Umstände und Zeit sowie Methoden des Dialogs und Experimentierens können Wiederholungen vermieden werden und neue Ideen entstehen. In ihrer Selbstpräsentation legen Herzog & de Meuron besonderen Wert auf die Entstehung ihrer Architektur, die sich als Trial-and-Error-Prozess, bei dem verschiedene Ansätze ausprobiert und Fehlschläge in Kauf genommen werden, anhand von Computermodellen und herkömmlichen plastischen Modellen vollzieht und bei der nicht zuletzt der Zufall eine zentrale Rolle spielt.
Mit seiner intuitiven Form repräsentiert der 2005 für Vitra entworfene „Hocker“ aus Massivholz wesentliche Aspekte der konzeptuellen Arbeitsweise von Herzog & de Meuron. Er steht in einer Reihe von weiteren Objekten und Installationen, welche als eigenständige Projekte die architektonische Entwurfsarbeit der beiden Basler Architekten begleiten.

Publicationo
listed on artfacts.net / wikipedia.org
Benno Hinkes

geb. 1978 in Nürnberg
Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Wimbledon School of Arts London
Promotion am Goldsmith College London
Lehrtätigkeit an der Columbia University New York und der HfBK Hamburg
lebt in Berlin und Dresden

Die Installation Suburbia wendet sich dem thematischen Zusammenhang von Bauformen und Gesellschaft, deren wechselseitigem Einfluß und Wandel zu. Dabei untersucht sie das Phänomen der Suburbanisierung in Ostdeutschland, das hier erst seit den frühen 1990er Jahren zu beobachten ist. Den thematischen Kontext der Arbeit bilden auch stadtplanerische Konzepte, die am Ausstellungsort der Installation (Dresden) und im gesamten ostdeutschen Raum einen radikalen Wandel erfuhren. So wurden zu DDR-Zeiten insbesondere kollektive Wohnformen in Großraumwohnkomplexen („Plattenbauten“) staatlich gefördert und betrieben. Seit den frühen 1990er Jahren geht hingegen die historisierende Rekonstruktion der Innenstädte mit einer zunehmenden Suburbanisierung der städtischen Peripherie einher. Das Wohnen als Kleinfamilie in einem vorstädtischen Eigenheim stellt dabei ein neues, staatlich gefördertes gesellschaftliches Ideal dar.

listed on artfacts.net / kunstknall.de

Ulrike Kessl

geb. 1962 in Rottweil
Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
Wilhelm Lehmbruck-Stipendium, Duisburg
2003/04 Gastprofessur an der Universität der Künste Berlin
lebt in Düsseldorf

Im Zentrum der Arbeit von Ulrike Kessl stehen experimentelle, skulpturale Arbeiten, die eine Auseinandersetzung mit Gegenständen und deren Funktionalität bis zur Thematisierung von Körper- und Raumerleben durch bestimmte Eingriffe in den Ausstellungsraum miteinander verbinden. Dabei bedient sie sich einer sorgfältig entwickelten künstlerischen Sprache, die Materialien und Techniken aus Eigenschaften des jeweiligen Ausstellungsortes immer neu entfaltet: „Aus einem methodischen Ansatz heraus werden plastische Gestalten entwickelt, ... aufgeladen mit einer Fülle von Assoziations- und Deutungsmöglichkeiten.“ (Lothar Romain)

listed on artfacts.net / wikipedia.org

next